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DDR- Geschichte

Smolka
12. Juli 1960
Der Thüringer Manfred Smolka wird aufgrund eines politisch motivierten Todesurteils der SED-Justiz hingerichtet

Am 5. Mai 1960 hatte das Bezirksgericht Erfurt den ehemaligen Oberleutnant der Grenzpolizei Manfred Smolka zum Tode verurteilt.

Der 29jährige Smolka, der seine Arbeit für die Grenzpolizei längst aufgegeben hatte, war später in den Westen gegangen. Er kam im August 1959 nochmals zurück in den Grenzraum bei Titschendorf (Im Kreis Lobenstein), um sich mit seiner Frau und seiner Tochter zu treffen, die zu ihm herüberkommen wollten. Sein Freund Renn, der ebenfalls flüchten wollte und den Smolka zur Vorbereitung der Flucht seiner Familie um Hilfe gebeten hatte, muss den Brief sofort zur Stasi gebracht haben. Am vereinbarten Treffpunkt der Familie warteten dann jedenfalls schon 20 Stasi-Männer, die Smolka dann auf der westlichen Grenzseite anschossen, herüberholten und inhaftierten.

Die Stasi-Hauptabteilung I bearbeitete über Smolka den Operativvorgang "Verräter". Der verantwortliche Stasi-Mann Thomas gestand später ein, dass die Gasmaske (als angebliches Spionage-Objekt) gezielt von der Stasi eingesetzt worden war. Angeblich sollte Smolkas Freund Renn diese bei seiner eigenen Flucht für Smolka mitbringen. Viele Monate lang musste Smolka die Verhöre im zentralen Stasi-Knast Hohenschönhausen über sich ergehen lassen, ehe die Verhörer in ihren von Smolka gegengezeichneten Niederschriften das beabsichtigte (aber falsche) "Geständnis" über eine angebliche Spionagearbeit für den amerikanischen Geheimdienst in den Händen hielten.

Zehn Monate später kam es im Erfurter Bezirksgericht zu einem großen Strafprozess wegen angeblicher Militärspionage, der auf DDR-Militärangehörige zugleich "erzieherisch" wirken sollte. Das Todesurteil war schon vorher anvisiert - die Unterschrift Mielkes auf einem internen Paper bestätigt das. Dass Smolka das angebliche Geständnis wiederrief, spielte im Prozess keine Rolle. Dafür umso mehr beachtet war der völlig aus der Luft gegriffene Vorwurf, Smolka habe dem amerikanischen Geheimdienst eine DDR-Truppenschutzmaske ausliefern und damit die DDR-Bevölkerung schutzlos den chemischen Kampfstoffen der US-Imperialisten ausliefern wollen. Damit wurde er als "millionenfacher Mörder" verunglimpft.

Das Todesurteil wurde am 5. Mai 1960 in Erfurt ausgesprochen, ein Gnadenantrag abgelehnt. Manfred Smolka wurde am 12. Juli in Leipzig mittels einer Guillotine hingerichtet. Smolkas Frau musste vier Jahre im Zuchthaus verbringen und erfuhr erst danach vom Tode ihres Mannes.

1994 gab es einen Strafprozess gegen den inzwischen 82-jährigen beteiligten Staatsanwalt Wieseler, gegen den über drei Jahre Haft beantragt wurden und der vom Gericht zu 10 Monaten Haft auf Bewährung und zu 10.000 DM Schadensersatz für die Familie Smolka verurteilt wurde - wegen Beihilfe zum Totschlag und zur Rechtsbeugung.

Auch der Sonneberger Freund und Kollege Smolkas kam in Bamberg vor Gericht, obwohl er seine Verantwortung leugnete.

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