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DDR- Geschichte

Erinnerungen an die "Zonengrenze"
Zwischen den Ortschaften Gauerstadt und Holzhausen,verlief die damalige Zonengrenze. Etwa 2 Kilometer von Gauerstadt in Richtung Grenze stand(steht!)an der alten Straße nach Holzhausen,an einem Hang gelegen,ein ehemaliges Straßenwirtshaus,das wir in den 60er Jahren für die Coburger Pfadfinderschaft bekamen. Das Fachwerkgebäude,im Untergeschoß aus massiven Sandstein,mit Gewölbekeller,war recht geräumig.Zur Straße hin war ein schöner Balkon,von dem man die Straße bis nach Gauerstadt einsehen konnte.(Der Bewuchs,wie er heute dort ist,war damals weit weniger!) Betrat man das Haus,ging man zunächst in einen Vorraum,der auch als Küche genutzt wurde.Er war ca.3x4 Meter groß und wenn wenige Leute da waren,spielte sich der Tagesablauf meist in diesen Raum ab. Den eigentlichen Raum der "Hütte",wie wir sagten betrat man dann rechter Hand.Unmittelbar links von der Türe war ein großer offener Kamin eingebaut worden.An der linken Längswand stand eine lange Tafel,mit 2 Sitzbänken,an denen locker 20 Mann einen Sitzplatz fanden.Als zusätzliche Heizquelle stand an der hinteren Giebelwand ein Ofen.Rechts davon war der Zugang zum "Spitzboden",über eine steile Leiter,-hier oben war der Schlafraum mit ca.20 Matratzenlagern.Zur Not konnten auch noch Feldbetten der US Army aufgestellt werden. An der rechten Wand stand ein geräumiger Schrank,der Geschirr usw. aufnahm.Daneben war noch eine Sitzgruppe an einen runden Tisch für kleineren Kreis. Als noch nicht in jeder Familie ein Auto vorhanden war,fuhren wir mit der Bahn nach Rodach und gingen meist schon von "Schweighof" aus die wenigen Kilometer hinüber nach Gauerstadt,zur Hütte. Oft fuhren wir schon am Freitag dorthin,andere kamen mit den Fahrrädern nach. Das war also unser Wochenend Domizil. Stets war natürlich bei so einem Besuch dort auch ein Spaziergang zur Grenze eingeplant. Ein Ereignis ist mir noch lebhaft in Erinnerung,von dem ich hier berichten will. An einem Samstagfrüh,nach dem Frühstück,gingen wir also zur Grenze.Wir waren ca. 10 Leute und unser Gruppenleiter ermahnte uns,als wir uns der Grenze näherten ruhig zu sein.Doch wenn 10 Mann durch den Wald latschen,bleibt es nicht aus,das Zweige knacken und auch wenn nicht geredet wird,es eben nicht ganz lautlos zugeht! Ich muß dazu sagen,das damals,je näher man an die Grenze kam , es immer ruhiger und einsamer dort wurde.Aus weiter ferne hörte man eine Dampflokomotive pfeifen und ansonsten war es aber ruhig und still.Eigentlich ein Idyll! Das ganze Leben orientierte sich auf beiden Seiten von der Grenze wegwärts.Auf DDR Seite sowieso durch die 5 Kilometer Sperrzone,und auf unserer Seite waren höchstens Bauern oder Waldarbeiter zu sehen,die unmittelbar an der Grenze arbeiteten!Nur an exponierten Stellen,wo Touristen schauen konnten,war was "geboten"! Als wir an besagten Sonnabend uns der Grenze näherten,war zunächst an den Blau-weißen Pfählen halt angesagt.An den angebrachten Tafeln und Warnhinweisen konnte man sehen,wo die eigentliche Grenze verlief.Auf unserer Seite,noch vor den Grenzpfählen,verlief ein "Trampelpfad"-man konnte erkennen,das er viel benutzt wurde!(von unseren Grenzern!) Wir entschlossen uns nun diesen Pfad weiter zu gehen,weil es nach einigen Kilometern eine gute Möglichkeit gab von dort aus die Heldburg zu sehen,die nur wenige Hügel weiter lag. Jenseits der Westdeutschen Grenzpfähle befand sich ein ca 10 Meter breiter Streifen,der geackert und geeggt war, um so sofort zu erkennen ob sich hier Fußspuren von evtl.Grenzgängern befanden! Die Befestigung der Grenze wie sie später traurige Wirklichkeit erlangte war damals dort bei Gauerstadt noch nicht vorhanden!Streckmetallzäune,Selbstschussanlagen und Minen gab es damals dort noch nicht,es standen lediglich 2 Stacheldraht Zäune hintereinander.
Als wir nun eine Weile so ruhig den Pfad entlang gegangen waren,und immer wieder einmal einen Blick durch das Fernglas machten,standen urplötzlich wie aus den Boden geschossen drei Ostzonale Soldaten der DDR Grenztruppe in Abstand vor uns.Wir konnten uns zunächst nicht erklären,woher die so schnell auftauchen konnten,noch dazu,da sie zwischen den ersten Drahtzaun und dem 10 Meter Streifen,ebenfalls in unserer Richtung die Grenze entlang gingen. Ein "Guten Tag" unserer Seits wurde nicht beachtet,ein Gespräch unseres Gruppenleiters wurde mit keiner Silbe erwidert!
Wir gingen also einige Kilometer so nebeneinander her.Stumm!Wir waren für die wie Luft! Nach geraumer Zeit bemerkten wir,das sie wieder Landeinwärts gingen und konnten nun auch sehen,wie sie vor den Stacheldraht gelangt waren.Die besagten Zäune waren an der Stelle,wo sie wieder zurück gingen leicht auseinander gezogen,so daß sich nur ein schmaler Durchlaß ergab.Von westlicher Seite aus betrachtet dachte man aber,das die Zäune durchgehend waren,nur wenn man von der Seite schaute bemerkte man dieses Schlupfloch.Nun erklärte sich auch,wo die so schnell vor den Stacheldraht gelangen konnten.
Ob an solchen Stellen auch Grenzüberschreitungen von "Agenten" waren,ist nicht ausgeschlossen,nachweislich war so eine Stelle unweit von Stockheim/Kronach.Hier wurde sogar ein geflüchteter Offizier der Grenztruppe wieder in die DDR entführt und ermordet!(Die Geschichte ist nachlesbar vorhanden!!) Einen späteren Arbeitskollegen aus Thüringen angesprochen,der bei der Grenztruppe war,konnte mir die Situation dieser "Schlupflöcher" bestätigen.
Unmittelbar hinter dem Stacheldraht,auf DDR Seite,waren an solchen Stellen gut getarnte Erdbunker zu finden,hieraus sind wahrscheinlich die drei Soldaten auch aufgetaucht. Auch bedingt durch ihre Grau-Grüne Uniform waren sie dann schnell wieder unseren Blicken entschwunden. Es dauerte dann auch nicht mehr lange,als uns eine Streife der westdeutschen Grenzpolizei entgegen kam.Unser Gruppenleiter mußte sich ausweißen und wir wurden darauf hingewiesen,das wir uns hier besser nicht aufhalten sollten.-Ob wir irgendwelche Wahrnehmungen gemacht hätten,erwiderten wir,das wir mit Ostdeutschen Grenzern parallel gegangen wären.Ob es eine Verständigung gegeben hätte,wollten die Grenzer wissen?Das wurde verneint und einer der Grenzer meinte daraufhin zu seinen Kollegen:"Wie immer,ganz normal"!! Für manchen mag das neu sein:An der Grenze zum "Ostblock" wie es damals hieß waren nicht nur die US-ARMY und der BGS, sondern auch die Deutsche Grenzpolizei,,der Zoll und teilweise auch die normale Verkehrspolizei zuständig! Hier war ja die Nahtstelle "an vorderster Front" zwischen Ost und West im sogenannten "Kalten Krieg". Damals dachte wohl keiner von uns,das es trotzdem noch ca 30 lange Jahre dauern sollte,bis wir dann nach der "Wende" dort weiterfahren konnten und "übern Hügel drüben" sofort in Holzhausen waren. Mittlerweile ist die Straße ausgebaut,das alte Haus steht noch und wie ich erfahren konnte ist es nun in Privatbesitz.-Für uns war es ein Teil unserer Jugend! Gerd Bieler
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